DER KÖNIG VON BRIONI
von
H e i n z W a l d h u b e r
Ein
Mann in der Midlife-Krise
Die Idee, aus der verwilderten und malariaverseuchten, seit Jahrhunderten verlassenen Insel Brioni eine Touristenattraktion ersten Ranges zu machen, war nicht dem letzten jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito gekommen. Er hatte Brioni zwar ab den Sechzigerjahren zu seinem liebsten Kind, aber gleichzeitig auch zu einem militärischen Sperrgebiet gemacht. Dafür konnten sich seine illustren Gäste, ob Nasser, Nehru, Ghandi oder Chruschtschow, ob Brandt, Kreisky oder Kaunda in besonderer Sicherheit wiegen, wenn sie mit dem Elektroauto vom letzten Präsidenten des Vielvölkerstaates abgeholt wurden, um mit ihm ein paar Tage in dessen feudaler Privatsphäre zu teilen.
Genau genommen lag der große Partisanenführer des Zweiten Weltkriegs noch in den Windeln, als ein Mann in der Chefetage der Witkowitzer Eisenerze in Mährisch-Ostrau von einer Art “Midlife-Krise” erfaßt wurde und seinem Boss die Zusammenarbeit aufsagte. Nicht gerade im Streit, aber doch, weil er irgendwie genug von Schwerindustrie, Kohle, Stahl und Eisen hatte. Am 3.April 1893 kündigte Paul Kupelwieser seine Stellung als Generaldirektor des größten Metallwerkes der Monarchie. Baron Albert Rothschild, einer der reichsten Männer Europas, verlor an diesem Tag seinen engsten und engagiertesten Mitarbeiter. “Es war höchst an der Zeit”, erinnerte sich der damals knapp 50jährige Kupelwieser, “nun etwas anderes zu tun.”
Die Geschichte hätte für den Sohn des berühmten Wiener Biedermeier-Malers Leopold Kupelwieser, der seine Zeit am liebsten im Freundeskreis mit Franz Schubert, Franz von Schober und dem Malerkollegen Moritz von Schwind verbrachte, wohl kaum ein Plätzchen gehabt und ihn im Schatten seines Vaters wohl bald vergessen lassen, wäre da nicht jenes unternehmerische Abenteuer gewesen, dem das alte Österreich einen bedeutenden Teil seines gesellschaftlichen Flairs verdankt, ohne das die alte Monarchie um ein gutes Stück ärmer gewesen wäre, die Schöpfung Brioni.
Dabei lagen den Kupelwiesern Bergbau, Eisen und Stahl im Blut. Pauls Bruder Franz hatte nach Peter Ritter von Tunner die Leitung der Montanistischen Hochschule in Leoben übernommen und führend am Aufbau der Alpine Montan-Gesellschaft, des Vorläufers aller späteren VÖEST-Betriebe mitgearbeitet. Seine Tochter Maria hatte sich 1878 mit dem 1851 in Judenburg geborenen Maximilian Arbesser von Rastburg, einem Urgroßonkel der heute noch in Spielberg lebenden Familie, auch einen Mann genommen, der in montanistischen Dingen nicht ganz unerfahren war und zur Jahrhundertwende den staatlichen Salinenabbau in Ebensee im Salzkammergut leitete.
Wer heute die Inselwelt Brioni besucht und die Zebras, Kamele, Antilopen und Affen sieht und sich an der traumhaften Landschaft und dem besonderen klimatischen Bedingungen ergötzt, die sich so deutlich vom Umlande der Adria unterscheiden und sich vorstellt, das müsse schon immer so ein Paradies gewesen sein, der kennt nur die halbe Wahrheit. Noch vor gut einhundert Jahren wäre ein Aufenthalt auf der Insel wahrscheinlich weniger angenehm gewesen und hätte vorallem während der Sommermonate im schlimmsten Falle sogar mit dem Tod geendet. Noch bis Ende des vergangenen Jahrhunderts gehörte die Malaria geradezu zum “Inventar” der knapp 750 Hektar großen Inselgruppe, nur einen Steinwurf von Pula entfernt.
Getrennt durch den Kanal von Fazana war man auf dem Festland von den Mückenschwärmen Brionis einigermaßen geschützt und Österreichs kakanische Altmarinisten konnte so gar nichts dazubringen, den knapp drei Kilometer breiten Kanal zu übersetzen. Wenn es ging, vermied man sogar zu nahe Küstenfahrten rund um Brioni, um sich nur nicht der Gefahr der Ansteckung mit dieser tückischen Krankheit auszusetzen.
Wenn Sie Interesse am vollständigen
Manuskript haben, wenden Sie sich bitte unter der E-Mail-Adresse
standesamt@spielberg.at an den
Autor Heinz Waldhuber.
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